Gespräche nach monatelangem Streit erfolgreich

Rund 200 Beschäftigte von Merck-Tochtergesellschaft in Steinheim sollen Chemie-Tarifvertrag erhalten

Zwei Jahre nach der Übernahme von Sigma-Aldrich will der Pharmakonzern Merck den Chemie-Tarifvertrag auch bei seiner Steinheimer Konzerntochter anwenden. Rund 200 Arbeitnehmer sollen von stufenweisen Entgeltsteigerungen von bis zu mehreren hundert Euro, der stufenweisen Einführung von Urlaubsgeld und einer tariflichen Jahresleistung und vielem mehr profitieren. „Wir haben lange dafür gestritten und gekämpft. Die Ungeduld in der Belegschaft hat brutal zugenommen und es war nicht immer einfach, die Menschen ruhig zu halten. Mit dieser Entscheidung hat Merck nun endlich auf unseren Druck und Protest reagiert“, freut sich Thomas Schubert, Tarifkommissionsmitglied und Betriebsratsvorsitzender.

Axel Stefan Sonntag

Erfolg bei Sigma Aldrich

Schon im April fand eine Protestkundgebung auf dem Werksgelände statt, jüngst startete der Betriebsrat eine Unterschriftensammlung. Die heutige, vierte Verhandlungsrunde brachte dann den Durchbruch: In den nächsten Jahren sollen alle rund 200 Beschäftigte der Merck-Tochtergesellschaft Sigma-Aldrich in Steinheim am Albuch stufenweise die vollen Regelungen und Leistungen des Chemie-Tarifvertrags Baden-Württemberg in der jeweils gültigen Fassung erhalten. Damit würden sich die Entgelte der Arbeitnehmer stufenweise um bis zu mehreren hundert Euro verbessern.

„Unsere Mitglieder wollten vom Konzern ein klares Bekenntnis zum Flächentarifvertrag für die Chemische Industrie. Sie waren nicht bereit, Werte eines Tarifvertrags mit vom Unternehmen gestreuten Prämien oder Abfindungszahlungen zu tauschen“, stellt Markus Wimmer, Verhandlungsführer der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), klar. „Tariflohn bedeutet auch Anerkennung und Wertschätzung. Wir sehen da keinen Widerspruch zur Standortfrage“, betont Wimmer.

Merck beabsichtigt, seinen profitablen und traditionsreichen Spezialchemie-Standort Steinheim am Albuch aufgrund von strategischen Konzernüberlegungen ins bayrische Schnelldorf zu verlagern. „Das ist noch längst nicht in Stein gemeißelt“, betont Frank Heßler, stellvertretender Landesbezirksleiter der IG BCE. „Dazu müsste erst einmal die Politik ihr Einverständnis erklären, den bisher reinen Logistik-Standort Schnelldorf zu einem mit Chemie-Abfüllung umzuwidmen“, erklärt Heßler.

BU zu druckfähigem Bild im Anhang:

Erfolgreicher Protest: Bereits Ende April schloss sich die Steinheimer Belegschaft zusammen. (rechtefrei bei Nennung des Bildnachweises: „Axel Stefan Sonntag“)

Für Rückfragen:

Frank Heßler, Stellvertretender Landesbezirksleiter: 0151 11346972

Markus Wimmer, Verhandlungsführer: 0173 6080608

Autor: Axel-Stefan Sonntag

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