Zu den Plänen des Ratiopharm-Mutterkonzerns Teva

„Zweite krasse Fehlentscheidung des israelischen Konzern-Managements“

Die Absicht des israelischen Pharmakonzerns Teva, zu der auch die in Ulm ansässige Ratiopharm zählt, weltweit ein Viertel der Belegschaft einzusparen, ist für Catharina Clay, Landesbezirksleiterin der
zuständigen Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) „die zweite krasse Fehlentscheidung auf Konzernebene“. Als „Unding“ bezeichnet Clay zudem die Absicht von Teva, die Entscheidung wo und in welchem Umfang Standorte betroffen sein sollen auf bis zu 90 Tage zu verzögern. Damit wächst die Unsicherheit der Beschäftigten. „Zumal unsere Mitbestimmungsrechte eine rechtzeitige Einbeziehung des Betriebsrates zum Schutz der Beschäftigten zwingend erfordern. Wir fordern jetzt Klarheit über die künftige strategische Ausrichtung – und nicht erst in drei Monaten“.

15.12.2017
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Teva ist, vor allem aufgrund einer 2016 erfolgten, 40,5 Milliarden Dollar schweren Übernahme, hoch verschuldet. „Das Timing war extrem schlecht und der Preis offenbar weit überzogen“, urteilte das Handelsblatt.

„Die nun vom Konzern vorgelegten Pläne, weltweit 14.000 Stellen zu streichen, um so die finanzielle Sicherheit wiederherzustellen, ist die zweite krasse Fehlentscheidung, die in Israel getroffen wird“, kommentiert Catharina Clay.

Teva will die „betroffenen Beschäftigten“ innerhalb von 90 Tagen informieren. „In diesem Fall müssen die Rechte des Betriebsrates beachtet werden. Bei Betriebsänderungen gilt, diese im Voraus, rechtzeitig und umfassend, mit dem Betriebsrat abzustimmen“, betont Clay. Zudem sei eine solche Intransparenz zum Nachteil des Unternehmens: „In Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Wandel muss Teva aber damit rechnen, dass Menschen diese Zeit nicht sang- und klanglos verstreichen lassen, sondern Alternativen prüfen“, warnt Clay die Konzernverantwortlichen. Dies sei umso mehr problematisch, als dass Teva seinen Standort in Ulm derzeit mit einer Biotech-Anlage ausbaut. Die Investitionssumme beträgt mehr als 500 Millionen Dollar, von 2020 an sollen hier rund 300 neue Beschäftigte komplexe biotechnologische Wirkstoffe herstellen. „Teva braucht also seine gut ausgebildeten Fachkräfte selbst“, stellt Clay klar.

Nach Informationen der IG BCE ist Ratiopharm in Ulm wirtschaftlich stabil und solide aufgestellt. Der Standort erwirtschaftet die Vorgaben, die der Konzern aus Israel erwarte. „Wer da jetzt die Axt anlegt, gefährdet diese Stabilität“, warnt Clay.

Für Rückfragen: Catharina Clay, Landesbezirksleiterin                          0151 11347004

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