Glaube & Job

Weniger arbeiten im Ramadan?

Der Fastenmonat Ramadan ist für viele gläubige Muslime Pflicht. Doch den ganzen Tag über nichts essen und trinken – klappt das im Job ohne Nebenwirkungen?

01.06.2016
  • Von: Axel Stefan Sonntag
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Für Ömer Yilmaz ist es praktizierter Glaube: Vom 6. Juni an – während des Sonnenauf- und -untergangs – auf Essen und Trinken zu verzichten. 29 Tage lang. So will es seine Religion, der Islam. Seine knapp achtstündige Vollkonti-Schicht bei Goodyear Dunlop macht da keine Ausnahme. »Die Spätschicht bringt mich dann natürlich eher an meine persönliche Schmerzgrenze als die Frühschicht«, sagt der Maschinenführer. »Die Außentemperaturen heizen den ohnehin schon warmen Arbeitsplatz dann natürlich noch mehr auf.«

Aber Yilmaz beißt sich durch. Dabei helfen ihm drei Dinge: »Unser Schichtplan, Flexibilität im Job und der Glaube, der mir gerade im Ramadan viel Kraft gibt«, sagt der 45-Jährige. Die alle zwei bis drei Tage wechselnden Vollkonti- Schichten kämen ihm gelegener als ein wöchentlich wechselndes Schichtmodell. »So sind es in den vier Wochen nur sieben Spätschichten, an denen ich durchhalten muss.« Auch habe er, aufgrund seines vorhandenen Stapler-Führerscheines, schon mal mit einem Kollegen getauscht – und einen Monat lang Paletten hin- und hertransportiert. »Das war natürlich eine Entlastung«, sagt er.

Was ihn dagegen herausfordert, sind die gelegentlichen Sprüche, die ihm im Fastenmonat entgegenschallen. »Du spinnst doch, bei dieser Hitze nichts zu trinken«, heißt es da längst nicht nur an seinem Arbeitsplatz. »Man muss dann sehr tiefgründig diskutieren, warum wir Muslime das anders sehen«, sagt Yilmaz. Für ihn nichts Neues. Seit 24 Jahren arbeitet er bei Goodyear Dunlop, noch länger führt er solche Gespräche.

Doch insgesamt ist er stolz darauf, dass Kollegen und Arbeitgeber weitgehend Rücksicht darauf nehmen, dass der Ramadan für ihn ein Muss ist. Rechtlich aber gilt: »Körperliche Leistungseinschränkungen oder mangelnde Konzentrationsfähigkeit, die allein aus Durst oder Hunger resultieren, muss der Arbeitgeber nicht zwingend akzeptieren«, sagt Rechtsexperte Peter Voigt von der IG BCE. »Andererseits gilt auch: Der Glaube alleine ist kein Kündigungsgrund.« Voigt empfiehlt, mögliche Konflikte von vornherein auszuschließen: »Beispielsweise, in dem eine Betriebsvereinbarung zum Thema Urlaub auch die besonderen Interessen gläubiger Menschen berücksichtigt. Oder, wo es geht, die Öffnungszeiten der Kantine anzupassen.«

Oftmals helfen auch simple Absprachen innerhalb einer Abteilung. »Nach Möglichkeit nehmen wir Rücksicht auf Kollegen, die beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen keine Schutzmaske tragen können. Und genauso nehmen wir Rücksicht auf Kollegen, die fasten«, berichtet Ziya Yüksel, Chemikant bei der BASF. Doch er appelliert: »Keiner darf das Fasten so strapazieren, dass er seine Gesundheit und seine Kollegen gefährdet. Zumal der Glaube uns das Recht gibt, einzelne Tage auszusetzen – und diese später nachzuholen.«

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