Pharma

Eine leistungsstarke Branche mit vielen Herausforderungen

Die deutsche Pharmaindustrie ist dank ihrer Innovationskraft und Wertschöpfung unverändert eine zentrale Säule der deutschen Volkswirtschaft. Sie bietet über 110.000 hoch qualifizierten Beschäftigten sichere Arbeitsplätze. Darüber hinaus werden weitere zehntausende Arbeitsplätze durch die Vorleistungen aus anderen Branchen und Unternehmen für die deutsche Pharmaindustrie geschaffen und gesichert.

Bayer HealthCare

Eine Laborantin bei Bayer HealthCare sichtet Gewebepräparate mit Tumorproben zunächst mit bloßem Auge. Eine Laborantin bei Bayer HealthCare sichtet Gewebepräparate mit Tumorproben zunächst mit bloßem Auge. Anschließend durchlaufen die Proben zahlreiche weitere Analysen.

Die Pharmaindustrie ist zunehmend internationaler ausgerichtet und der Wettbewerb innerhalb der Branche hat sich verschärft. Auch die strengeren gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland haben in den vergangenen Jahren zu einem Bedeutungsverlust der deutschen Pharmaindustrie im internationalen Vergleich geführt.

Immer stärker dominieren große, vor allem angelsächsische Unternehmen den Welt-Pharmamarkt. Ohne weitere politische und ökonomische Anstrengungen setzt sich der schleichende Bedeutungsverlust der deutschen Pharmaindustrie voraussichtlich fort. Doch ohne eine leistungsfähige deutsche Pharmaindustrie kann es kein solidarisch organisiertes Gesundheitssystem geben.

Notwendige politische Rahmenbedingungen

Es reicht nicht im deutschen Gesundheitssystem Reformen anzugehen, die nur auf Einsparpotentiale bei den Patienten und in der pharmazeutischen Industrie setzen. Die IG BCE fordert vielmehr eine Strukturreform, welche die solidarische Krankenversicherung sichert und alle Leistungserbringer einbezieht.

Im Ergebnis muss für die Unternehmen der pharmazeutischen Industrie eine größere Planungs- und Innovationssicherheit stehen, um die Entwicklung und Vermarktung von Arzneimitteln in Deutschland nicht weiter zu beeinträchtigen, sondern zu fördern.

Dem Ausbau der medizinischen und pharmakologischen Forschung, insbesondere der Spitzenforschung, kommt dabei eine zentrale Rolle zu. Es sind wirksame Anreize erforderlich, um Spitzenforscher und Spitzenforschung in Deutschland zu halten oder sogar hierher zurückzuholen.

Die IG BCE fordert von der Politik und den Unternehmen eine weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen und verstärkte Forschungsausgaben, wie es bereits in den USA und einigen Staaten in Europa der Fall ist. Die öffentliche Forschungsförderung und die Unternehmen sollten insbesondere die Grundlagenforschung stärker unterstützen.

Bessere Vernetzung

Notwendig sind die Einrichtung stärkerer Partnerschaften und Netzwerke zwischen Pharmaindustrie, Forschung, Biotech-Unternehmen und öffentlichen Forschungseinrichtungen. Die Vermittlung und Umsetzung von Forschungsergebnissen und innovativen Ideen sind zu verbessern. Forschungseinrichtungen und Universitäten sollten praxisbezogener arbeiten.

Die IG BCE fordert höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung durch die EU und ihre Mitgliedstaaten, um europäische Spitzenforschungsnetze zu schaffen. Eine Finanzierung über einen ausreichend langen Zeitraum ist zu sichern, sodass ein hohes Maß an Stabilität und Sicherheit kontinuierliche Forschung ermöglichen. Nach der Schaffung einheitlicher Rahmenbedingungen müssen europäische Forschungsinstitute gegründet werden. Das wäre eine Grundlage, um den Forschern einen besseren Wissenstransfer zu ermöglichen.

Die deutsche und europäische Forschungsförderung muss sich dabei besonders auf die Biowissenschaften konzentrieren, denn die Biotechnologie liefert als eine der Basistechnologien innovative Konzepte in vielerlei Hinsicht. Die Nutzung des Potenzials der Biowissenschaften und der Biotechnologie ist eine zentrale Voraussetzung, um Beschäftigung und qualifizierte Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen.

In Deutschland sind die Rahmenbedingungen von klinischen Studien zu verbessern. Dazu gehört eine stärkere Förderung von interdisziplinären Zentren für klinische Forschungen. Langfristig ist der Aufbau einer europäischen Koordinierungsinstitution – analog zum amerikanischen "National Institut for Health (NIH)" – anzustreben. Kurzfristig muss die Koordination der klinischen Forschungen in Europa verbessert werden.

Universitäten und außerklinischen Forschungsinstituten müssen intensiver miteinander kooperieren. Notwendig sind außerdem Initiativen, die die Akzeptanz von klinischen Studien in der Bevölkerung erhöhen und zur Förderung der Attraktivität der klinischen Forschung für den wissenschaftlichen Nachwuchs beitragen.

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