Kündigung bei Krankheit

Immer krank — und raus?

Der gelbe Schein schützt vor Kündigung? Ein weit verbreiteter Irrtum! Arbeitnehmer können auch wegen langer oder häufiger Krankheit entlassen werden. Doch ganz ohne Hindernisse läuft das für den Chef nicht. kompakt erklärt, wo die Hürden stehen.

Robert Kneschke/Fotolia

Kündigung Eine Kündigung wegen Krankheit kommt oft überraschend, viele vermuten einen generellen Kündigungsschutz. Doch den gibt es in einigen Fällen nicht.
27.02.2018
  • Von: Katrin Schreiter

Der Schädel brummt, Kopfschmerzen lassen kaum einen klaren Gedanken zu – die Migräne hat wieder zugeschlagen. Krankmelden oder besser nicht . . . ?

Viele Arbeitnehmer gehen nicht zum Arzt, weil sie befürchten, dass ihnen bei häufiger Krankheit die Kündigung droht. Auch wer lange Zeit ausfällt – zum Beispiel wegen einer komplizierten Operation – macht sich oft Gedanken wegen seines Jobs. Ist diese Sorge berechtigt?

Arbeitsrechtsexperte Till Bender wägt ab: „Es existiert ein weitverbreiteter Mythos, dass mir nichts passieren kann, wenn ich krank bin. Aber das stimmt nicht!“, sagt der Fachmann vom DGB Rechtsschutz. Er unterscheidet: „Wer über Jahre hinweg ausfällt, bringt praktisch für das Unternehmen keine Leistung.“ Das Arbeitsverhältnis mache im Prinzip keinen Sinn mehr.

„Anders sieht der Sachverhalt aus, wenn jemand häufig krank zu Hause bleibt“, erklärt Bender. „Hier ist das Band zwischen Arbeitnehmer und -geber zwar nicht zerschnitten, aber das Verhältnis zwischen beiden in der Regel gestört.“ Der Vorgesetzte müsse den Ausfall ständig neu kompensieren – eine Belastung, die auch oft im Team für Unruhe sorgt. „Zudem kommt, dass der Arbeitnehmer immer wieder einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung hat. Das lässt die Kosten für den Unternehmer schnell steigen.“

Zunehmend mehr Fehltage

Ein Blick in die Statistik zeigt: Auch wenn einerseits viele Arbeitnehmer aus Sorge krank in den Betrieb gehen, melden sich die Deutschen andererseits auch immer häufiger krank. Nach Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit und der Krankenkassen fehlten im Jahr 2006 Arbeitnehmer im Schnitt 10,5 Tage wegen einer Krankheit; 2010 waren es schon mehr als 12 Tage – und eine aktuelle Studie verzeichnet für 2016 sogar 14 Arbeitstage.

Arbeitgeber reagieren darauf nicht selten auf eine radikale Weise: Sie greifen immer öfter zur personenbedingten Kündigung, um ihre häufig- oder dauerkranken Mitarbeiter möglichst schnell loszuwerden. „Doch ganz so einfach ist das für sie nicht“, sagt der Rechtsexperte.

Zum einen müssten erst einmal etliche Krankheitstage zusammenkommen: „Alles, was sich nur auf unter sechs Wochen summiert, fällt nicht ins Gewicht.“ Zum anderen spiele die sogenannte Negativprognose eine große Rolle und die Frage, ob es auch künftig zu ständigen Arbeitsausfällen kommen werde. „Hier muss der Chef, der oft nicht weiß, woran sein Mitarbeiter eigentlich erkrankt ist, nachweisen, dass es kein sinnvolles Arbeitsverhältnis mehr gibt.“

Kündigung als letztes Mittel

Wichtig sei auch die wirtschaftliche Beeinträchtigung des Arbeitgebers durch den Ausfall des kranken Arbeitnehmers. „Größere Unternehmen haben in der Regel viel mehr Möglichkeiten, den Mitarbeiter innerhalb des eigenen Hauses anderweitig zu beschäftigen. Kleinere Betriebe stoßen da schneller an ihre Grenzen“, sagt Bender.

Dennoch: „Kündigung muss immer das letzte Mittel bleiben – vorher muss der Arbeitgeber nachweisen, dass er alles Mögliche versucht hat, um das Arbeitsverhältnis zu erhalten.“ Dazu sei vor

Gericht auch immer entscheidend, ob es ein betriebliches Eingliederungsmanagement – ein sogenanntes BEM – gegeben habe. Bender: „Es soll betroffenen Beschäftigten den Wiedereinstieg in das Arbeitsleben ermöglichen beziehungsweise weiteren Erkrankungen vorbeugen.“

Generell rät der Gewerkschaftsjurist den Kollegen, die oft oder länger krankgeschrieben sind, sich nicht durch eigenes Verhalten angreifbar zu machen. „Arbeitgeber suchen oft nach Gründen, um unliebsamem Personal verhaltensbedingt kündigen zu können“, weiß Bender und nennt zwei Beispiele: „Wer seinen gelben Schein nicht rechtzeitig abgibt oder das Unternehmen nicht korrekt über seine Folgeerkrankung informiert, kann schnell eine Abmahnung erhalten. Und wenn nach dem nächsten Vergehen die verhaltensbedingte Kündigung kommt, spielt die Krankheit keine Rolle mehr.“

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