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27.05.2016

5. Frauentag

Wie aus Risiken der Arbeit 4.0 echte Chancen werden

Digitalisierung und Industrie 4.0 sind keine Entwicklung, von der allein Arbeitgeber profitieren sollen. Schon gar nicht durch sogenannte Entgrenzung von Arbeit – weil Beschäftigte praktisch rund um die Uhr erreichbar sind. Es brauche ein Recht darauf, durch technische Möglichkeiten eben nicht permanent getrieben zu sein, betonte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles bei der Diskussionsrunde am Freitagnachmittag.

Andrea Nahles Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles

Es brauche viel mehr “Wahlarbeitszeit und selbstbestimmtes Arbeiten”, sagte die Ministerin. Dann böte Industrie 4.0 auch tatsächlich enorme Chancen. Für Frauen wie für Männer.

Einfach nur flexible Arbeitszeit sei viel zu wenig, befand auch die stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Edeltraud Glänzer. “Arbeitszeitsouveränität ist eine klare Forderung vom Frauentag!” Und so etwas funktioniere, Einwänden von Arbeitgeberverbänden zum Trotz, auch für Gruppen wie Außendienstler und Beschäftigte im Schichtsystem. Nur, dass es dafür eben gesetzliche Regelungen geben müsse, warf Petra Kronen, Betriebsratsvorsitzende bei Covestro, ein.

Ab diesem Sommer will Nahles verschiedene Interessenvertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zu einem Arbeitszeitdialog einladen. Auch, um verbindliche Verabredungen in den Betrieben voranzutreiben. Ein Thema im Arbeitsministerium ist auch das Rückkehrrecht von der Teilzeit in Vollzeit- und andere Arbeitszeitmodelle. “Ein Gesetz dazu ist in Vorbereitung”, berichtete Ministerin Nahles. “Meine Zukunftsvision ist eine Wahlarbeitszeit, die sich an den Lebensphasen orientiert.” Daran müsse aber noch kräftig gearbeitet werden.

Erste Schritte gehen Betriebe jetzt schon. Vattenfall etwa biete lebensphasenorientierte Arbeitszeitmodelle, sagte Personalvorstand Michael von Bonk. Sein Kollege bei Evonik, Thomas Wessel, hält langfristige Mitarbeiterbindung für wichtig. Und will das ebenfalls durch flexiblere Arbeitszeitmodelle schaffen. “Aktuell arbeiten wir an einer Pflegezeitregelung.”