5. Frauentag

Die eigene Arbeitszeit mitbestimmen?

„Das Leben ist hart, aber die einzige Zeit in der man Spaß haben kann.“ Diesen Sinnspruch zitierte Susanne Hardies, Vorsitzende des Landesbezirksfrauenausschusses Westfalen zur Eröffnung des 5. IG-BCE-Frauentags. Was Hardies klarstellte, ist eine so einfache wie eindrückliche Botschaft: Auch Arbeitszeit ist Lebenszeit und damit eine Phase, in der sich Frauen wie Männer gleichermaßen frei entwickeln sollten. Da liegt das Problem – für Frauen.

Nicole Strasser

Frauentag 2016
27.05.2016
  • Von: Marcel Schwarzenberger

Eine Umfrage unter den Delegierten der Tagung ergab: Ihnen liegt aus den fünf Handlungsfeldern der Charta der Gleichstellung am meisten das Thema lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung am Herzen, gefolgt von Existenz sichernder Arbeit, gleiche berufliche Entwicklungschancen, gleiches Entgelt für Männer und Frauen sowie mehr Frauen in Führungspositionen und mehr Netzwerke für Frauen. Die Tatsache, sein Arbeitsleben je nach Leistungsvermögen, Bedürfnissen oder familiärer Situation anpassen zu können, sorgt also für besonders hohe Arbeitszufriedenheit. Und damit auch für Gerechtigkeit im Job.

Mehr Gestaltungsspielraum als je zuvor

Frauen hätten heute zwar mehr Gestaltungsspielraum als je zuvor, sagte Prof. Kerstin Jürgens von der Universität Kassel, die gemeinsam mit dem DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann die Kommission „Zukunft der Arbeit“ leitet. Doch durchsetzen könnten sich am besten die Hochqualifizierten. Aber was sei mit den anderen Frauen? Erschwert werde das durch die noch immer klassischen Rollenverteilungen in der Familie; Frauen blieben eher zu Hause. „Und der heutige Arbeitsmarkt protegiert genau das“, sagte Jürgens.

Digitalisierung und Industrie 4.0 sorgen für eine beschleunigte Arbeitswelt. Für Frauen, die eine schlechtere Startposition haben als Männer, kann sich das nachteilig auswirken. Einerseits. Andererseits eröffnet ihnen die zunehmende Automatisierung auch mehr Möglichkeiten. Weil Jobs zugänglich werden, die aus körperlichen Gründen eher eine Männerdomäne waren.

Weiterbildung in der Freizeit

„Der Schlüssel für die Zukunft ist aber Qualifikation“, betonte Jürgens. Das Problem heute: Viele Teilzeitbeschäftigte – und das sind häufig Frauen – könnten Weiterbildungsangebote nur in ihrer Freizeit wahrnehmen. Während Vollzeitbeschäftigte, also überwiegend Männer, das in der Arbeitszeit tun würden. Apropos Vereinbarkeit von Familie und Arbeit: „Wir sind noch weit davon entfernt, dass die Kinderbetreuung bedarfsgerecht ist“, räumte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil mit Blick auf die Situation in Krippen und Kindergärten ein.

Problematisch sind auch befristete Arbeitsverhältnisse und prekäre Beschäftigungen sowie Leiharbeit. „Jede zweite Neueinstellung ist heute befristet“, sagte die stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Edeltraud Glänzer. Frauen, vor allem Mütter, seien besonders betroffen. „Wir brauchen nicht immer mehr unsichere Kleinst- und Minijobs, sondern echte Teilzeit-Stellen, die sozial abgesichert sind.“ Und ein Rückkehrrecht von Teilzeit- auf Vollzeit. Wie also, fragte Glänzer, ließen sich Arbeitszeitflexibilisierungen so regeln, dass sie den Bedürfnissen der Beschäftigten entsprächen. Das sei ein Thema, das unter den Nägeln brennt.

Nach oben