IG-BCE-Frauentag

Gerechter Lohn und Transparenz

„Ohne Quote warten wir noch 30 Jahre auf Veränderungen“, sagte Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Personalvorstand bei der RAG-Stiftung, am Sonnabend. Es gibt unter anderem den 30/30/30-Ansatz der IG BCE: Mehr Frauen, die hauptamtlich für die IG BCE arbeiten, mehr Frauen in den Führungspositionen und mehr Frauen in den Aufsichtsräten. Dass engagierte Frauen mehr Verantwortung übernehmen können und wollen ist keine neue Erkenntnis. Nur: Die Arbeitswelt hinkt diesem Anspruch noch hinterher. Zum Beispiel in der Frage der Lohngleichheit.

Nicole Strasser

Frauentag 2016
30.05.2016
  • Von: Marcel Schwarzenberger

Aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend war die Staatssekretärin Caren Marks angereist. Sie berichtete, dass das neue Lohngerechtigkeitsgesetz in Vorbereitung sei. „Wir wollen Transparenz bei Löhnen“, sagte sie. Mit dem Gesetz soll künftig offengelegt werden können, ob und warum Frauen weniger in den Betrieben verdienen als ihre männlichen Kollegen. Bislang seien Entgeltsystem eher Betriebsgeheimnisse, kritisierte Marks.

Frauen verdienen immer noch 21 Prozent weniger

Dass Transparenz und, darauf aufbauend, eine Gehaltsangleichung notwendig ist, untermauert eine Zahl besonders: Frauen verdienen, wenn man Bruttoarbeitslöhne vergleicht, rund 21 Prozent weniger als Männer. Darin steckt viel Ungerechtigkeit. Konkret bedeutet das für Familien auch weniger Geld, wollten sie sich allein auf das Einkommen der Frau verlassen.

Die Teilzeitfalle schnappt auch deshalb zu, weil Mütter eher auf Vollzeitbeschäftigung verzichten als Väter. „Frauen werden weniger arbeiten, so lange sie weniger Geld für ihre Arbeit bekommen als Männer“, sagte die Staatssekretärin. Das Gesetz, betonte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack, müsse ein umfangreiches Auskunftsrecht sichern. „Das darf nicht weichgespült werden, sonst lassen wir das Gesetz scheitern.“

Unterschrift für Chancengleichheit

Gleiches Entgelt für Frauen und Männer ist ein Punkt der Charta der Gleichstellung. Sie umreiße wichtige Handlungsfelder, um Frauen zu stärken, betonte die stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Edeltraud Glänzer. „Wir werden weiter Unternehmen dafür gewinnen. Und die Betriebe müssen diese Handlungsfelder auch ernsthaft bearbeiten.“ Marks unterzeichnete die Charta vor allen Delegierten.

Dass starke Betriebsräte und gute Netzwerke in den Unternehmen zu echten Fortschritten führen, zeigt auch das Beispiel Bayer AG. Die Leverkusener haben vor einem Jahr Betriebsvereinbarungen für mobiles und flexibles Arbeiten eingeführt. Wenn die Art der Arbeit das zulässt, können Beschäftigte vorübergehend zu Hause arbeiten, wenn private Situationen das erfordern. „Dafür braucht es auch Vertrauen zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten“, betonte Betriebsratsvorsitzende Roswitha Süßelbeck.

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